Warum ich es wichtig finde, über Sprache zu streiten

„Das ist doch nur ein Wort.“ Diesen Satz höre ich oft, wenn es um gendergerechte Sprache geht. Um Formulierungen wie „Mitarbeitende“, „Lehrerinnen“, „Elternteil“ statt „Mutter“. Und ja, es sind nur Worte – aber sie formen unsere Wirklichkeit. Sprache ist nicht neutral. Sie transportiert, wie wir die Welt sehen. Wen wir sichtbar machen – und wen nicht. Wenn wir immer nur von „Gründern“ sprechen, denken viele Kinder dabei vor allem an Männer. Wenn wir automatisch „der Chef“ sagen, klingt es nach einer Rolle, die nicht für alle gedacht ist. Linguistische Studien bestätigen das. Eine vielzitierte Untersuchung von Braun, Sczesny & Stahlberg (2005) zeigt: Wenn in Texten ausschließlich das generische Maskulinum verwendet wird, stellen sich Leserinnen dabei fast ausschließlich Männer vor. Erst durch die explizite Nennung weiblicher oder neutraler Formen entsteht im Kopf ein vielfältigeres Bild.


Und genau das ist das Problem: Wenn Sprache nur einen Teil der Gesellschaft abbildet, dann prägt sie auch die Vorstellungen von Berufswahl, Selbstwert und Zugehörigkeit. Studien belegen, dass Kinder- insbesondere Mädchen und nicht binäre Kinder – sich weniger zutrauen, bestimmte Berufe zu ergreifen, wenn diese ausschließlich in der männlichen Form genannt werden. Sprache beeinflusst also nicht nur, wie wir reden. Sondern auch, wie wir denken und wie wir handeln.


Natürlich ist gendergerechte Sprache ungewohnt. Natürlich gibt es Reibung. Aber Sprache hat sich schon immer verändert. Niemand spricht heute noch wie in Goethes Zeiten. Sprache ist lebendig. Die Digitalisierung, soziale Medien, kulturelle Vielfalt und Internationalisierung verändern sie jeden Tag. „Cool“, „App“, „cringe“, „liken“ – all das ist Teil unserer Alltagssprache geworden, ohne dass wir das je offiziell beschlossen hätten. Warum also nicht auch fairere, inklusivere Formen? Und ganz ehrlich: Ich verstehe die Aufregung oft nicht. Was ist der Schaden daran, inklusiv zu formulieren? Was verlieren wir wirklich? Ein bisschen Gewohnheit? Ein paar Silben? Dafür gewinnen wir Sichtbarkeit, Respekt, Teilhabe und eine Sprache, in der sich mehr Menschen wiederfinden.


Wenn also das, was dagegenspricht, kaum Auswirkungen hat – und das, was dafürspricht, eine gerechtere Gesellschaft fördert – warum dann nicht einfach ausprobieren? Ein bisschen umlernen. Ein bisschen präziser formulieren. Für eine Sprache, in der sich alle Menschen gesehen fühlen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Rolle. Und für eine Sprache, in der sich Kinder alle Berufe und Lebenswege erträumen können. In der niemand nur mitgemeint ist, sondern alle ausdrücklich sichtbar sind.

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