
Es ist Herbst. Also offiziell die Jahreszeit für Kerzen, Tees, Decken und diesen diffusen Gedanken: Jetzt wird’s gemütlich. In der Theorie. In der Praxis bedeutet Herbst mit Kleinkind: Regenkleidung anziehen, bevor du selbst wach bist. Matschhosen, die nie richtig trocknen. Und jeden Spaziergang mit einem Menschen führen, der wütend wird, weil der Wind existiert.
Ich wollte einfach nur auf der Couch sitzen. Kaffee trinken, vielleicht sogar heiß. Ein Buch lesen, das keine Tiergeräusche macht. Und währenddessen in Ruhe über nichts nachdenken. Aber stattdessen: Ein Kind, das beschließt, dass Kastanien Sammelgut, Wurfgeschoss und Verhandlungseinheit in einem sind. Ein Kinderwagen, der immer in die falsche Richtung rollt. Und irgendwo zwischen Laternenbasteln und Wutanfall Nummer vier denke ich: Es ist schön. Und anstrengend. Und schön. Und anstrengend. Und beides gleichzeitig, auf eine Art, die nur Eltern verstehen.
Manchmal schaue ich anderen Familien beim Sonntagsspaziergang zu. Wie sie so entspannt wirken, mit ihren Thermobechern und Regenjacken in Matching-Farben. Und ich frage mich, ob die auch heimlich zählen, wie viele Stunden es noch bis zur Schlafenszeit sind. Oder ob sie einfach wirklich so gelassen sind. Ich will kein besserer Mensch sein. Ich will nur fünf Minuten auf der Couch. Ohne Paw Patrol, ohne Fragen wie „Warum ist die Wolke traurig?“, ohne Krümel in meiner Teetasse. Nur Stille. Und das Geräusch von Regen, der an die Scheibe klopft, während ich so tue, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben. Und dann höre ich ein „Mamaaa!“ (oder etwas, das so ähnlich klingt, je nach Tagesform), und ich stehe wieder auf. Weil das so ist. Weil Liebe manchmal einfach aufstehen heißt. Auch wenn man gerade sitzen wollte.
Und irgendwo zwischen Chaos, Müdigkeit und Kastanien entdecke ich sie doch, diese Momente: Kleine, warme Fetzen Gemütlichkeit. Ein Lachen mitten im Wind. Ein Kind, das die Hand ausstreckt, damit ich sie halte. Vielleicht ist das der wahre Herbst mit Kleinkind: Nicht Ruhe, sondern Nähe. Nicht Tee, sondern Bewegung. Nicht die Couch, sondern das Leben, das sich an dich klammert und sagt: Komm, wir gucken uns noch einen Regenwurm an.
Und irgendwann – wenn das Kind schläft, die Wohnung aussieht wie ein Bastelgeschäft nach einem Erdbeben, und die Couch mich endlich wieder aufnimmt – trinke ich meinen Tee. Kalt, aber verdient. Und denke Ja, es ist viel. Aber es ist auch genau das, wovon ich später erzählen werde, wenn ich wieder Zeit zum Sitzen habe.







