Elternabend ohne Dadjoke, geht das?

Lehrerin sitzt mit fünf Kindern an einem gelben Tisch und zeigt eine Karte mit dem Buchstaben B in einem Klassenzimmer

Über die Normativität in Eltern-Gruppen und wie man sich da als queere Familie positioniert.

Elternabende sind wie Klassenfahrten für Erwachsene – nur ohne Spaß.
Stühle im Halbkreis, lauwarmer Filterkaffee und mindestens ein Witz über „die Väter, die ja nie den Turnbeutel finden“.

Und ich sitze da, als eine von zwei Müttern, und frage mich: Warum lachen wir? Weil’s stimmt? Oder weil wir es nicht besser gewohnt sind?

Queere Elternschaft in solchen Räumen ist wie ein bunter Fleck auf einem grauen Teppich. Nett, dass du da bist, aber bitte leg dich nicht quer. Sag nichts. Mach keine Szene. Und auf keinen Fall politisch werden.

Wir machen dann trotzdem eine Szene. Manchmal leise. Manchmal laut.
Zum Beispiel, wenn wieder automatisch nach „der Mama und dem Papa“ gefragt wird.
Oder wenn wir gefragt werden, „ob wir dann auch beide kommen, obwohl ja nur eine Mutter nötig ist?“.

Die Norm sitzt tief. In Gesprächen, in Erwartungen, in WhatsApp-Gruppen mit 23 Müttern und einem Papa, der als „super engagiert“ gilt, weil er das Sommerfest mitorganisiert.
Der dann beim Elternabend gelobt wird wie andere Leute nach einem Marathon. Und wir? Wir sind entweder zu sichtbar oder unsichtbar. Es ist nie einfach nur normal.

Ich wünsche mir manchmal einen Raum, in dem ich nicht zuerst überlegen muss, wie viel von uns wir heute zeigen können, ohne dass es unangenehm wird. Nicht für uns – für die anderen.
Denn am Ende geht es oft darum, nicht „zu sehr“ aufzufallen. Nicht zu viel Queerness, nicht zu viel Feminismus, nicht zu viel Haltung. Bloß nicht der Stolperstein in der Harmonie sein. Und trotzdem genau das zu sein, einfach durch unsere bloße Existenz.

Es ist ein Drahtseilakt zwischen Dazugehören und Sich-selbst-treu-bleiben. Zwischen Lächeln und Zähne-Zusammenbeißen.
Wir wissen, dass unser Kind dazugehören soll. Gleichzeitig wollen wir nicht die Version von Elternschaft abliefern, die da so erwartet wird – die heteronormierte, kernkompetente, nicht-auffällige.

Aber wir sind nicht hier, um Erwartungen zu erfüllen. Wir sind hier, weil wir Familie sind. Und weil Elternschaft viele Formen hat – auch wenn das nicht auf jedem Infozettel steht.

Und vielleicht lachen wir beim nächsten Väterwitz einfach nicht. Und sagen stattdessen: „Was wäre eigentlich ein Elternabend ohne Klischee?

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